MAGAZIN

KENNST DU FASTWOOD?
WARUM UNSER HANDWERK NICHTS MIT SCHNELLEM KONSUM ZU TUN HAT.

Fastwood? Nie gehört. Zum Glück. Denn ganz anders als viele andere Branchen unterliegt das Schreinerhandwerk keiner Entwicklung hin zu immer schnellerem Konsum und trendbestimmten Lebenszyklen. Und so sehr wir uns an bequemes Fastfood und die 24/7 verfügbaren Kaufangebote und Rabattschlachten gewöhnt haben – hey, ganz ehrlich, so ’n leckerer Burger zwischendurch und das dritte Shirt in angesagtem Pickled-Pepper-Grün sind schon mal drin – findet ein Umdenken statt. Regionalität, Transparenz und Nachhaltigkeit rutschen immer weiter in unser Bewusstsein und plakative Initiativen wie „who made my clothes“ steuern unseren Kaufimpuls.

Bei der Einrichtung des eigenen Wohnraums werden selten rasche Entscheidungen getroffen. Ein Möbel, eine Küche oder ein ganzes Schlafzimmer kauft man nicht mal schnell zwischendurch, das will gut überlegt sein. Soll ja ’ne Weile halten und in ein paar Jahren auch noch gut aussehen. Regionalität, Transparenz und Nachhaltigkeit – Werte, für die andere Branchen mit großem Aufwand und aufmerksamkeitsstarken Kampagnen kämpfen müssen, sind im Schreinerhandwerk fest verwurzelt und prägen naturgegeben auch unser Tun bei Liebwerk.

Bett aus astfreier Zirbe
Küche aus Ulme und Altholz

Die besten Hölzer wachsen direkt vor unserer Haustüre: Buche, Esche, Eiche, Ulme, Nussbaum, Fichte, ja, sogar die Heimat der Zirbe – Königin der Alpen – zählt noch zu unserer Region. Auch heimische Obstbäume wie Apfel, Birne, Zwetschge liefern einen hervorragenden Rohstoff für den Möbelbau. Für eine Kundin durften wir kürzlich einen Schreibtisch bauen, dessen Holz aus ihrem eigenen Garten stammt. Vor einiger Zeit musste ein großgewachsener Walnussbaum auf ihrem Grundstück gefällt werden. Die gesägten Bretter ließ sie sauber aufgestapelt ein paar Jahre lang trocken, bevor wir dem Holz in unserer Trocknungsanlage die letzte Restfeuchte entzogen haben. Heute steht der Sekretär vor dem Fenster mit Blick auf die Wiese, wo der Baum früher stand.

Couchtisch aus Zwetschge und Beton
Esstisch und Bank aus Eiche

Einen Blick in die Werkstatt werfen? Mal schauen, wie die Möbel gebaut werden? Und wer die Möbel baut? Au ja, jederzeit. Es ist uns ein Bedürfnis, die Kunden im Produktionsprozess an die Hand zu nehmen. Manchmal laden wir die Kunden ein, mit uns gemeinsam das passende Holz auszusuchen. Oder sie kommen vorbei, wenn es schon ein bisschen was zu sehen gibt. Ein Kunde wollte unbedingt dabei sein, als wir seinen Epoxy-Tisch gegossen haben. Er half uns bei den Vorbereitungen, mischte das Gießharz und ließ die weißtransparente Flüssigkeit zwischen die urig gewachsenen Holzbohlen fließen.

Puh, dieses Thema hat im Schreinerhandwerk viele Facetten. Entspricht das Holz der FSC-Zertifizierung? Stammt es also aus einem Wald, der nach strengen ökologischen und sozialen Prinzipien bewirtschaftet wird? Wie wird das fertige Möbelstück behandelt? Bleibt seine Oberfläche roh oder wird sie geölt?

Da gibt es noch eine Sache, die für uns wirklich nachhaltig ist. Es ist der Weg vom Baum zum Möbel. Denn der Umgang mit Holz erinnert uns immer wieder daran, dass Schnelllebigkeit von kurzem Vergnügen ist. Das fängt beim Rohstoff schon an. Bis ein Holz soweit ist, das ein Möbel daraus werden kann, braucht es ‘ne halbe Ewigkeit. Zig Jahre, bis der Baumstamm was hergibt. Und nochmal ein paar Jahre, bis das Holz trocken genug ist. Und dann soll das Möbel ja nicht nur eine Saison im Wohnzimmer stehen, sondern das ganze Leben. Und vielleicht wird es sogar vererbt und begleitet nochmal einen Menschen über lange Zeit….

Der österreichische Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl beschreibt in seinem Buch „Liebe Dinge“ unter anderem die Beziehung zu seinem Tisch, seinem Bett, seinem Schrank. Dinge, die ihm über die Jahre so ans Herz gewachsen sind, dass er sich ein Leben ohne sie kaum mehr verstellen mag.

Genau deswegen sind wir Schreiner geworden. Holz ist für uns das leiwandste Material, das es gibt, und seine stilsichere Zeitlosigkeit fasziniert uns. Kombiniert mit anderen Werkstoffen, aktuellen Farbtrends und neuen Verarbeitungsmöglichkeiten wird Holz nie langweilig. Und unser Job damit auch nicht.

01: Warum heißt ihr eigentlich Liebwerk?
ACH, DAS IST EINE LANGE GESCHICHTE.
SIE GEHT ZURÜCK INS JAHR 1752.

02: Hast du schon mal einen Baum gegessen?
WILDE WALDAROMEN VON FICHTE, TANNE UND CO.

03: Was zählt ist eine gute Verbindung, oder?
BEIM ZUGFAHREN. AM TELEFON. IM MÖBELBAU.