MAGAZIN-03

Kommt es nicht immer im Leben auf ’ne gute Verbindung an? Zu Freunden, Geschwistern, Eltern, Kollegen – zwischenmenschlich halt. Oder beim Telefonieren. Beim Zugfahren. Und nicht zuletzt im Möbelbau.

Schlitz und Zapfen, auf Gehrung mit Falz, auf Gehrung mit Nut, offene Zinkung, schräge Zinkung, halbverdeckte Zinkung, Fingerzinken, Fingerzapfen, Schwalbenschwanz… Wer behält da den Überblick und welche Holzverbindung ist die beste, die schönste, die stabilste? Kann man das überhaupt so sagen?

Schubkasten mit Schwalbenschwanz
Bettrahmen auf Gehrung

Baut der Schreiner eine Rahmenkonstruktion, die echt was abkönnen muss, ist die Schlitz und Zapfen Verbindung seine Wahl. Dabei wird das eine Rahmenholz geschlitzt, das andere gezapft, ausreichend Leim aufgebracht und zusammengesteckt. Das Ergebnis ist super stabil, da die Verbindung gleich von zwei Seiten verleimt wird.

Am wahrscheinlich bekanntesten ist das traditionelle, handwerkliche Zinken. Diese Verbindung ist optisch ein Hingucker und macht genau das, was sie soll: Zusammenhalten was zusammenhalten muss. Früher galten die konischen Schwalbenschwänze als typische Eckverbindung von Schubladen. Da sie sich ineinander verkeilen, hält die Sache sogar ohne Leim. Die geraden Fingerzinken werden heute meistens maschinell hergestellt und müssen immer verleimt werden. Beide Varianten sind fertigungstechnisch nicht ganz ohne und nach wie vor ein fester Bestandteil der Schreinerausbildung, auch wenn sie im beruflichen Alltag immer weniger gefragt sind.   

Schubkasten auf Gehrung
Eckverbindung als Gehrung

Am häufigsten kommen im klassischen Möbelbau die stumpf gedübelte Eckverbindung  und die Gehrungsecke zum Einsatz. Sie sind etwas weniger aufwendig in der Herstellung. Und wie alle Verbindungen, sind auch diese beiden als gestalterisches Element zu sehen. Denn jede Verbindung hat eine eigene Aussage. Sie muss zum Möbel, zum Holz und zur Umgebung passen. Ein Stück weit ist das Geschmacksache, klar. Aber es gehört auch eine Portion gesunder Menschenverstand dazu. Was macht wirklich Sinn? Wie aufwendig soll und darf das Möbel werden? Eine von Hand gefertigte Schwalbenschwanzverbindung schlägt na klar anders zu Buche als eine gedübelte Ecke. Letzten Endes bleibt die Frage an den Kunden: Was ist es dir wert?

Als Schreiner und Gestalter sehen wir unsere Aufgabe darin, das Möbel, das Handwerk und den Kunden so gut zu kennen, dass wir die richtige Verbindung wählen. Im Spiel mit der Natur und stimmigen Details.

Fingerzinken, Schlitz und Zapfen, Schwalbenschanz
Beine eingestemmt und gedübelt

01: Warum heißt ihr eigentlich Liebwerk?
ACH, DAS IST EINE LANGE GESCHICHTE.
SIE GEHT ZURÜCK INS JAHR 1752.

02: Hast du schon mal einen Baum gegessen?
WILDE WALDAROMEN VON FICHTE, TANNE UND CO.