DIE SÄGE
WARUM WIR UNSER HOLZ SELBER SÄGEN.
Einen Tisch aus dem eigenen Baum?
Machen wir dir. In ein paar Jahren.
Da war diese eine Frage. Die, die alles ins Rollen brachte. Eine Kundin rief an und sagte, sie ließe eine große Zeder in ihrem Garten fällen. Ob wir daran Interesse hätten und ihr einen Tisch daraus bauen könnten. Und ob wir das können! Allerdings nicht gleich. Der Stamm muss erst gesägt, aufgehölzelt und gelagert werden. Das dauert eine Weile, bis wir ihn verarbeiten können. Ein Richtwert sagt, dass das Holz pro Zentimeter Brettstärke ein Jahr Trocknungszeit hat. Wenn also auf fünf Zentimeter gesägt wird, sollte der Stamm fünf Jahre lagern.
Roland hatte zu diesem Zeitpunkt schon mit einer eigenen Blockbandsäge geliebäugelt. Dann endlich haben wir sie gekauft und die Zeder war der erste Baum, den wir selbst gesägt haben. Und jetzt lagert sie neben Eschen, Eichen, Nussbäumen, Apfel- und Birnbäumen – jeweils gut beschriftet mit Sägejahr und dem ehemaligen Standort des Baums.

Es sind einige Stämme von Kunden und Landwirten aus der Gegend, aber auch Bäume aus dem eigenen Wald und unseren alten Hochstamm-Obstgärten. Die wenigsten davon ganz gerade gewachsen. Die Hölzer sind allesamt sehr prägnant, mit Löchern, Rissen und markanten Strukturen. Oder mit sichtbaren Narben, die eingewachsene Weidezäune hinterlassen haben. Einige sind stellenweise gestockt, so das ein natürlicher Marmoreffekt entsteht.
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Für manche mögen solche Hölzer minderwertig erscheinen. Für uns sind sie das genaue Gegenteil. Für uns sind die Ausdruck einer Lebendigkeit, die wir in der Verarbeitung der Hölzer unbedingt erhalten wollen. Selbst die Bretter, die krumm und verbogen sind und fast auseinanderfallen, finden bei uns Verwendung.

Die porösen Stellen und die großen Zwischenräume werden mit Epoxidharz ausgegossen. Dadurch können wir einen Stamm komplett verarbeiten, ohne Reststücke zu entsorgen, die für den klassischen Möbelbau ungeeignet sind. Und es gelingt uns mit dem farblich abgestimmten Harz die natürliche Schönheit der besonders wilden Bretter zu bewahren und sogar noch zu betonen.
Das Harz, das wir verwenden, besteht fast ausschließlich aus recycelten Rohstoffen, ist frei von Lösemitteln und flüchtigen organischen Verbindungen und wird in Deutschland hergestellt. Etwas anderes würden wir an unser Holz gar nicht an ranlassen. So entstehen aus der Kombination von Holz und Harz einzigartige Naturkunstwerke.
Zurück zur Säge.
Nicht nur Baumstämme werden aufgeschnitten, auch uralte Eichebalken haben wir uns schon vorgenommen. Von einem historischen Abrisshaus am Bodensee haben wir einen ganzen Kipper voll alter Balken bekommen. Teilweise richtig dicke Dinger aus gewaschener Eiche, perfekt geeignet für wunderschöne Tische. Auch für die Besitzer des abgerissenen Hauses – die Oma hatte einst darin gewohnt – haben wir aus den Balken einen großen Esstisch für die ganze Familie gebaut. Ein Stück der Bodenschwelle aus Eiche ziert einem Obelisk gleich den Eingangsbereich des Neubaus.



Aber auch die etwas schlankeren Altholzbalken aus Fichte und Tanne finden ihren Weg in unsere Werkstatt. Wir bauen daraus richtige Balkenwände, Wandverkleidungen und Möbelfronten.
Alle alten Hölzer und meist auch die gesägten Stämme kommen nach ausreichender Lagerung und vor dem Verarbeiten in die Trocknung. So können wir sicherstellen, dass das Holz die richtige Restfeuchte hat und dass ungewollte Bewohner, also Holzwurm und Ungeziefer, freiwillig ausziehen.



Roland weiß genau, was die Kunden suchen und hat oft schon bei der ersten Besprechung und Planung des neuen Möbels das passende Holz oder einen bestimmten Baum im Kopf. Manchmal kommen die Kunden auch mit einer ganz anderen Vorstellung zu uns. Wenn wir ihnen im Holzlager und in der Werkstatt zeigen, was alles möglich ist und was wir in den einzelnen Brettern sehen, bekommen sie einen neuen Blick auf die Dinge. So haben sich Kunden, die eigentlich eine ganz schlichte graue Küche wollten, für eine Variante aus Altholz entschieden.
Nochmal zurück zur Säge.
Neben all den neuen Möglichkeiten für unsere Schreinerei hat die Säge noch einen ganz anderen Mehrwert für uns. Die Säge steht bei uns zuhause auf dem Liebhof. Wenn Roland den Motor startet, dauert es nicht lange, bis sein Papa dasteht und mit anpackt. So verbringen die beiden nachmittagsweise Zeit zusammen auf dem Hof, karren mit Baumstämme umher, sägen Brett um Brett, beratschlagen über die richtigen Lagerplätze und freuen sich am Abend über das gemeinsame Tagewerk. Erlebnisse, die ihnen keiner nimmt. Und das nur, wegen einer Säge.

Ob sich die Säge für uns gelohnt hat?
Sieht so raus. Roland freut sich auf jeden Fall mächtig.

